traumFoto: Martin Klöpfer
Home | Aktuelles | Regie | Schaupieldirektor | Fotostrecke | Person | Presseinfo | Impressum+Datenschutz
> Gegenwartsautoren | > Klassik | > Komödie

Ein Traum Ich flitze gebeugt durch die Röhren eines Abwassersystems. In meiner Sommernachtstraum-Inszenierung ist der Darsteller des Pucks erkrankt. Ich muss einspringen. Die Vorstellung hat bereits begonnen, ich nehme die Abkürzung durch den Kanal. Es gibt hier Abzweigungen Richtung Requisite, Maske, Kasse aber nirgendwo Bühne. Reinhold Messner kommt mir entgegen, murmelt so was wie "typisch" und "Wahrnehmungsprobleme" und weist nach oben. Tatsächlich, über mir befindet sich ein Gitterrost.Ohne große Mühe drücke ich es nach oben und klettere hinterher. Ich stehe auf der Bühne, bin überzeugt davon, dass das Publikum mein Erscheinen aus dem Bühnenboden für einen äußerst gelungen Regieeinfall hält und steige sofort ins Spiel ein. Ich spiele ganz leicht, so leicht, dass ich zu schweben beginne.

Kleine Impulse, Berührungen genügen und ich hebe von der Bühne ab wie ein prall gefüllter Luftballon und schwebe wieder sanft herab. Ich atme regelmäßig und denke, dass die Hinzuziehung eines tibetanischen Atemlehrers der Produktion sehr genutzt hat. Von oben bemerke ich, dass alle Schauspieler dieselbe verklebte Winnetouperücke tragen. Das war so nicht abgesprochen. Die Zuschauer scheint es aber nicht zu irritieren. Es sind alles Chinesen. Auch ich spreche meine Texte in einer mir fremden Sprache. Ich denke es ist Kisuaheli.

Jetzt kreise ich über den Zuschauern, mehr und mehr führungslos, sinke mit dem Kopf zuerst zwischen den Sitzreihen nieder, ein kurzer Bodenkontakt, schmerzfrei. Und ich erhebe mich erneut, bis ich, kurz vor der Pause, hernieder fliege auf eine blonde, mir unbekannte Schauspielerin, wir verfangen uns, taumeln auf dem Boden und bleiben ermattet liegen. Die Zuschauer verlassen den Saal, die blonde Schauspielerin verlässt die Bühne, ich laufe in die Kantine. Beim Betreten fällt mein Blick auf das Schild über dem zurückgebrachten Geschirr: "Bitte stellen Sie ihr Talent in den Abräumwagen." (Genazino?)
Ich wache auf.

 

||||||||||||||||